Hilfe, ich verliere schnell die Motivation!

Im vergangenen Monat wurde ich zu einem Workshop mit Lehrlingen im 3. Lehrjahr eingeladen. Das Hauptthema bei diesem Workshop war "Kritik konstruktiv äußern". Am Beginn des Workshops stellte ich den Lehrlingen einige Fragen wie zum Beispiel, "was sind gerade deine größten Herausforderungen". Ein Lehrling schrieb auf seine Karte: "Ich verliere schnell die Motivation".


Motivation kann sehr schnell zerstört werden


Bei der anschließenden Inputrunde ging ich auf das Thema Motivation in der Lehre ein und es entstand eine sehr gute Diskussion zum Thema Selbst- und Fremdmotivation. Ein Punkt, der mich dabei besonders traf war das Argument, dass Motivation sehr schnell zerstört werden kann. Ich versuchte den Lehrlingen viele Tipps zur Selbstmotivation zu geben und die Perspektive der AusbilderInnen einzubringen, aber der Hauptpunkt "ich verliere schnell die Motivation" war für mich noch nicht zufriedenstellend reflektiert und bearbeitet. Das geschah nun in der folgenden Übung:


Die Lehrlinge erhielten eine Aufgabe zum Thema "Feedback geben und zuhören". In dieser Übung beobachtete ich die Zweiergruppe mit dem Lehrling mit dem "Motivationsproblem" und es geschah etwas sehr spannendes: Während ich zusah beobachtete ich, dass die Übung nicht recht funktionieren wollte und ich fragte, was gerade das Problem war. Der Lehrling meinte, dass er total überfordert ist und am liebsten würde er grad alles hinschmeißen. Als ich ihn nach dem Grund fragte, gab er mir zur Antwort, dass er sich über jede Tätigkeit eine genaue Vorstellung macht und, dass er zu jedem Schritt der Erklärung in seiner Vorstellung Bilder entstehen lässt und so den Erklärungen folgt. Wenn er der Erklärung nicht mehr folgen kann, dh, wenn er sich keine Bilder mehr vorstellen kann, weil die Erklärung sehr schnell erfolgt oder nicht lückenlos passiert, setzt Überforderung ein und anschließend Demotivation. Damit hat er ins Schwarze getroffen!


Klare Vorstellung = Motivation = Selbstsicherheit


Nach einem "Blitzcoaching" war sehr offensichtlich, dass er dann demotiviert ist, wenn er den Erklärungen nicht mehr folgen kann, da er sich zu allem, ein Bild versucht vorzustellen. Wenn er diese Bilder in Gedanken nicht mehr entstehen lassen kann, weil die Erklärung zu kompliziert ist oder, weil er einen Arbeitsschritt noch nie ausgeführt hat, dann ist der Lehrling demotiviert und er beginnt an sich zu zweifeln. In diesem Fall kommt noch eine sehr hohe Introvertiertheit hinzu. Dieses Gesamtpaket ist eine gefährliche Mischung für die Ausbildung, da AusbilderInnen dies sehr rasch mit Desinteresse aburteilen könnten.


Für den Jugendlichen war es eine große Erleichterung zu wissen, dass er keineswegs "falsch tickt" oder "eine Macke hat", sondern, dass seine Persönlichkeit eben einfach so ist wie sie ist. Durch diese ganze Übung hat er nun eine Erkenntnis über sich, die er auch artikulieren kann und damit kann er auch seinem Ausbilder helfen, indem er ihm sagt, wie er anzuleiten ist.


Tipp für die Praxis


Für mich bedeutet es, dass AusbilderInnen in der Lehrlingsausbildung darauf achten sollten, wie die Persönlichkeit des Jugendlichen ist. Das heißt es gilt heraus zu finden, was genau im Kopf des Lehrlings passiert, wenn eine Arbeitsanleitung gegeben wird. Vielleicht ist dieses Beispiel als Reflexionsbeispiel in eurer Lehrlingsausbildung sehr wertvoll: Ihr könnt es mit euren Lehrlingen diskutieren und erfahrt auf diese Weise, wie eure Lehrlinge Erklärungen und Arbeitsanweisungen brauchen.


Demotivation kann also mit nicht vollständigen oder ungenauen Erklärungen und Arbeitsanweisungen zusammen hängen.




Bianca Lettenbichler beratet und begleitet UnternehmerInnen, denen die Zufriedenheit und das Wohlbefinden aller MitarbeiterInnen wirklich am Herzen liegt.


Sie analysiert dabei die gesamte Unternehmenslandkarte von den Lehrlingen bis hin zu den Eigentümern und Kunden. Lesen Sie mehr über die Wirkungsfelder ...